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Welt(tag) der Poesie
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Mensch 2000 - Fernsehfassung

Unsere Seelen sind
wie Vögel mit gestutzen Flügeln
Sie hausen in Volieren
aus Asphalt und purem Gold

Statt bunter Bilder
die sie einst
von langen Flügen brachten
wiesenbunt und gelb wie Korn
und ätherblau

sammeln sie Geld
und Angst Verdrossenheit
und tiefe Wunden
und decken Sehnsucht zu
mit Plastikmüll und
diamantverbrämtem Ramsch

Die bunten Bilder
kommen nur noch aus Konserven
von Vögeln eingelegt
die jüngst noch flogen
Doch sind die ausgelaugt
inzwischen oder unbekannt

verzogen Die Bilder werden
jetzt gemalt von jenen
die niemals frei am Himmel
sich gewogen und ihre
Farben sind schwarzweiß
und grau

Alpträume sind's
im Asphaltgrau gegoren
nebelverhangne Nächte der Gewalt
die für Minuten nur sich lichten
wenn die vierzig Straßenräuber
Glück verkaufen

Die jungen Seelen
schauen zu und frieren
Die alten sind längst stumpf
und resigniert

Ganz tief im Sklavenherzen
mag er noch existieren:
der Traum das Fliegen
wieder zu probieren
in bunten Farben flügelnd
alle Ängste zu verlieren
die grauen Seelenräume
neu zu tapezieren
und frei zu sein
wie es uns eigentlich
gebührt

 

Alexander Rajcsányi, Mensch 2000 - Fernsehfassung
In allen Zeiten Du

 

 

 

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